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Irische Musik

Lange bevor ich das erste Mal nach Irland reiste hat mich die typisch irische Musik fasziniert und dem Land das erste Mal nahe gebracht. So wie mir geht es vielen, vielleicht auch Ihnen: ich dachte mir, wo solche Musik gespielt wird, das muss ein tolles Land sein. Und ich habe mich nicht getäuscht. Über die traditionelle irische Musik und Irish Folk (beide Begriffe werden manchmal synonym gebraucht, was meiner Meinung nach nicht korrekt ist) möchte ich Ihnen hier erzählen (auch den irischen Rock- und Pop-Musikern werde ich ein Kapitel widmen) und Sie dafür begeistern wenn Sie es nicht schon sind. Hier finden Sie im Laufe der Zeit immer mehr Informationen zu typisch irischer Musik: Stilarten, Instrumente und natürlich jede Menge Künstler und Beispiele Ihrer Musik, auch werde ich Ihnen Tipps zu Musik-Festivals geben, wo Sie tief in die Seele Irlands eintauchen und die besten Musiker genießen können. Das alles braucht etwas Zeit, schauen Sie deshalb immer mal wieder vorbei, die Chance ist groß, dass Sie dann Neues finden.

Christy Moore

Es dürfte ca. 1975 gewesen sein, als mich mein zehn Jahre älterer Cousin Alwin zum ersten Mal mit irischer Musik in Verbindung brachte. Natürlich waren es damals die Dubliners, wer auch sonst. Die Kraft der Stimmen von Luke Kelly und Ronny Drew, der Schwung bzw. die Melancholie und die Schönheit der Melodien haben mich seitdem nie wieder losgelassen und ich habe mich bald mehr mit Irish Folk bzw. traditioneller irischer Musik und ihren Künstlern befasst.

Lange kann es dann nicht dauern, bis man auf Christopher Andrew “Christy” Moore, geboren am 7. Mai 1945 in Newbridge, County Kildare, stößt. Auch wenn die irische Szene so unglaublich vielfältig und die ihrer bekannten und beliebten Musiker ohne Zahl ist, Christy Moore sticht aus ihnen allen heraus, zu wichtig, einfluß- und erfolgreich ist sein Werk.

Ich maße mir hier nicht an, Christy’s Leben und Schaffen flächendeckend zu beschreiben, das könnte man wohl nur in einem Buch tun, ich kann hier nur stichpunktartig Dinge herausgreifen und Stationen seinen Wirkens beschreiben.

Christy Moore ist jedenfalls das beste Beispiel dafür, dass auch aus einem Bankangestellten noch etwas ordentliches werden kann. Diesen Beruf hat er nämlich ursprünglich gelernt. Schon damals wuchs in ihm der Wunsch, sich künstlerisch auszudrücken. Während eines zwölf Wochen dauernden Streiks ging er 1966 wie viele seiner Kollegen nach London, doch anders als diese kehrte er danach nicht zurück, sondern schlug sich dort bis 1970 durch. Besonders erfolgreich war er in dieser Zeit nicht. 1969 brachte er seine erste Solo-Platte, Paddy on the Road, in einer Auflage von 500 Stück heraus.

1972 veröffentlichte er seine erste erfolgreiche LP, Prosperous (benannt nach dem Örtchen Prosperous im County Kildare, in dem das Album aufgenommen wurde), das ihn mit den drei Musikern zusammenbrachte, mit denen er kurz darauf die Kultband Planxty formte: Liam O’Flynn, Andy Irvine und Dónal Lunny.

Nachder er 1975 Planxty verlassen hatte, verfolgte Christy seine Solokarriere, ab und an wurde Planxty reaktiviert (was er bis heute macht, 2004 wurde ein großartiges Live-Album veröffentlicht, das im “Vicar Street” aufgenommen wurde und das ich nur jedem ans Herz legen kann).
2000 kam seine Autobiografie “One Voice” heraus.

Moore’s frühe Jahre, die voll von Alkohol, unregelmäßigem Schlaf, Reisen und Fast Food waren, forderten ihren Tribut. Sein Gesundheitszustand war schlecht, er machte eine Entziehungskur und trat auf den Rat seiner Ärzte hin deutlich kürzer. Auch wenn er nicht mehr so sehr in der Öffentlichkeit stand und es ruhiger um ihn wurde, ganz verschwunden war er nie. Seit einigen Jahren tritt er wieder häufiger auf, meist mit seinem kongenialen Partner Declan Sinnott, vormals Mitglied der erfolgreichen Band Horslips.

Auch wenn Christy großartige Balladen wie “Easter Snow”, “Black is the Colour”, "Bright Blue Rose" oder “Cliffs of Dooneen” und humorvolle Songs, hier wohl an erster Stelle “Joxer goes to Stuttgart” (über den Sieg der irischen Fußballnationalmannschaft gegen die Englands bei der Euro 1988 in Deutschland) geschrieben hat, bekannt und anerkannt ist er in allererster Linie für seine Songs mit politischen und sozialkritischen Texten. Seine politische Einstellung ist die eines linksliberalen Republikaners. Er unterstützte die Hungerstreikenden um Bobby Sands mit dem Album “H-Block”. Weitere herausragende Lieder mit politischen Texten sind zum Beispiel “Viva la Quinta Brigada” über irische Freiwillige im spanischen Bürgerkrieg oder “Minds Locked Shut” über den Bloody Sunday in Nordirland. Neben seiner Musik hat er viele linke Themen und Gruppen unterstützt.

Was ich hier nur unzulänglich beschreiben kann ist die Intensität seiner Liveauftritte. Oftmals mit geschlossenen Augen vollkommen in seine Lieder vertieft singt er Balladen voller Zärtlichkeit und politische Songs voller Zorn und Überzeugungskraft. Dazwischen ein humorvolles Stück und Kommentare, bei dem das Publikum sich vor Lachen schüttelt.
Nicht umsonst gilt Christy Moore als größter lebender irischer Sänger und Songschreiber und nicht umsonst habe ich von keinem anderen Künstler mehr Konzerte besucht: zweimal trat er in München in der Muffatthalle auf, ich reiste extra zu seinen Auftritten im INEC in Killarney (an zwei aufeinanderfolgenden Abenden), im Point in Dublin, in der Marquee in Cork und im Kongresszentrum in Hamburg. Während “normaler” Irlandreisen sah ich ihn beim Clifden Arts Festival, in Galway, beim Ballyshannon Folk Festival und in Lisdoonvarna (wo natürlich der gleichnamige Song der Höhepunkt war)

Offizielle Website

Christy Moore Songs auf Youtube

Hier finden Sie alle Alben von Christy Moore

Diskografie (aus Wikipedia):

Während ich kaum ein Album kenne, das sich nicht lohnen würde zu hören möchte ich Einsteigern die Live-Aufnahmen empfehlen, sie werden Sie nicht mehr loslassen.

Solo

Mit Planxty

Mit Moving Hearts

Compilation albums

DVDS
  •     Christy Moore Uncovered (2001) 104 mins – features collaborations with Jimmy MacCarthy, Wally Page, Shane McGowan, Sinéad O’Connor and John Spillane.
  •     Planxty Live 2004 The reunion of the hugely popular and influential group after a 20 year hiatus.
  •     Christy Moore Live In Dublin 2006 (2006) 143 mins – First time a live solo concert has been recorded and released outside CD format. Filmed over 4 nights in December 2005 and January 2006.
  •     Christy Moore’s Come All You Dreamers – Live At Barrowland (2009) – Filmed in Barrowland in Glasgow featuring Declan Sinnott.

The Dubliners

Die Dubliners waren mit Sicherheit die einflussreichste Band des Irish Folk und Protagonisten des Revivals desselbigen (noch heute denken die meisten Menschen an die Jungs, wenn von irischer Musik die Rede ist). Das gilt besonders für die Zeit Mitte der Sechziger bis Mitte der Siebziger des letzten Jahrhunderts. Die Anzahl der Fans, auch in Deutschland sind Legion und die Anhänger hielten der Gruppe über Jahrzehnte die Treue. Das jährliche Konzert im Cirkus Krone Bau in München, meist Anfang November, war wie in vielen anderen Städten ein Ritual und fester Bestandteil des Kalenders aller Anhänger Irlands und der irischen Musik. Fans und Musiker alterten zusammen, während in der Anfangszeit die Luft sowohl vor als auch auf der Bühne alkoholgeschwängert war lies dies über die Zeit nach und die Konzerte liefen „gesitteter“ ab.

Die Dubliners wurden im Jahr 1962 als “The Ronnie Drew Ballad Group” gegründet. Ihr „Stammsitz“ war O’Donoghue’s Pub in der Merrion Street, auch heute noch ein populäres Wasserloch für Touristen und Einheimische. Die Gründungsmitglieder waren Ronnie Drew, Luke Kelly, Ciaran Bourke and Barney McKenna. Drew war auf Dauer nicht glücklich mit dem Namen der Band und da Kelly zu dieser Zeit „Dubliners“ von James Joyce las war der neue Name naheliegend.

Die wichtigsten Mitglieder der Gruppe:

Ronnie Drew

hatte in seinen jungen Jahren einige Zeit in als Englischlehrer in Spanien verbracht und erlernte dort die Flamencogitarre, so dass er seine Songs auf einer spanischen Gitarre begleitete. 1974 verließ Ronnie vorübergehend die Band um mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen und wurde durch Jim McCann ersetzt. Er kehrte fünf Jahre später zurück und verließ die Gruppe 1995 erneut – dieses Mal endgültig. Er verfolgte erfolgreich eine Solokarriere, ich durfte ihn zum Beispiel in „Legends of Irish Folk“ in Dublin erleben, wo er mit Finbar Furey, Paddy Reilly (auch er zeitweise Sänger bei den Dubliners) und Liam Clancy auftrat. Besonders möchte ich Ihnen aus dieser Zeit sein Album “A couple more years” mit Eleanor Shanley ans Herz legen, voll wunderschöner Songs. Ronnie Drew starb am 16. August 2008 nach langer Krankheit an Kehlkopfkrebs. Man kann sein Grab auf dem Friedhof von Roundstone besuchen. Drew’s Beitrag zum Erfolg der Band ist unermesslich, ich möchte hier nur die Hit Single “Seven Drunken Nights” und seine Interpretationen von “Finnegan’s Wake” und “McAlpine’s Fusiliers” nennen.

Luke Kelly

war eher ein Liedermacher als Ronnie Drew und begleitete die Songs der Dubliners auf seinem Banjo. Er sang „ultimative“ Versionen von vielen traditionellen Liedern wie “The Black Velvet Band”, “Whiskey in the Jar”, “Home Boys Home”, aber auch Phil Coulter’s “The Town I Loved So Well”, Ewan MacColl’s “Dirty Old Town” and “Raglan Road”, geschrieben vom berühmten irischen Dichter Patrick Kavanagh.
1980 wurde bei Kelly ein Gehirntumor diagnostiziert. Obwohl er manchmal zu krank war um zu singen begleitete er die Band bis zwei Monate vor seinem Tod auf ihren Tourneen und ich durfte/musste erleben wie er sich im Cirkus Krone Bau in München zumindest hin und wieder auf die Bühne quälte, um einige wenige Lieder zu singen, bevor er sich dann wieder verabschieden musste. Luke Kelly starb am 30. Januar 1984 und liegt auf dem Glasnevin Cemetery in Dublin begraben. Eines der letzten Konzerte mit Luke, wurde aufgenommen und veröffentlicht: „Live in Carré“ aus dem gleichnamigen Konzertsaal in Amsterdam. 2004 entschied das Dublin City Council einstimmig, eine Bronzestatue von Kelly aufzustellen.

Ciarán Bourke

war Sänger und spielte Gitarre, Tin Whistle und Harmonika. Er sang viele Lieder in irisch, wie “Peggy Lettermore” oder “Preab san Ól” (hier mit Luke Kelly). 1974 brach er bei einem Konzert wegen einer Gehirnblutung zusammen. Eine zweite Gehirnblutung ließ ihn linksseitig gelähmt werden. Er starb 1988 und wurde nie offiziell ersetzt.

Barney McKenna

auch als Banjo Barney From Donnycarney bekannt, war ein anerkannter Banjo- und Mandolinenspieler. Nicht zu Unrecht wurde er oft als bester Tenor-Banjospieler seiner Generation bezeichnet. Barneys außerordentliches Banjospiel prägte den Sound der Dubliners deutlich und ließ Barney zum Vorbild aller folgenden Spieler des irischen Banjos werden. Nachdem er im Alter von 14 Jahren die Schule verlassen hatte, arbeitete er als Glasbläser, Möbelpacker und auf dem Bau. Ein Höhepunkt von Konzerten der Dubliners war es immer, wenn Barney aufstand (in den letzten Jahren war das wegen Hüftproblemen immer mühsamer, er musste am Schluss auf die Bühne geführt werden) und einen Shanty oder ein Liebeslied zum Besten gab. Auch seine humorvollen Kommentare und Einleitungen zu Liedern, von den Bandmitgliedern als Barneyismen ("If I'm talking too fast for you then you have to listen quicker") bezeichnet, waren legendär. Neben den Schwierigkeiten mit seiner Hüfte litt Barney an Diabetes, was seine Sehkraft dramatisch verschlechterte. Er litt sehr darunter, dass er damit seinem großen Hobby, der Hochseefischerei mit seinem eigenen Fischkutter nicht mehr nachgehen konnte. Barney wohnte in Howth auf der Halbinsel Howth Head zusammen mit seiner niederländischen Frau Miriam Hessik, die auch heute noch sein Andenken, z.B. auf Plattformen wie Facebook in Ehren hält. Am 5. April 2012 brach er in seinem Haus zusammen und starb auf dem Weg in ein Dubliner Krankenhaus. Beerdigt wurde er am 9. April 2012 auf dem St Loman’s Cemetery in Trim, woher seine Familie ursprünglich stammte.

John Sheahan

interessierte sich für Musik, seit er zwölf Jahre alt war. 1967 heiratet er Mary Morgan, zusammen haben sie drei Kinder. Er kam 1964, zwei Jahre nach der Gründung der Band, zu den Dubliners. Er ist der einzige von ihnen, der eine offizielle musikalische Ausbildung hat. Er ging zusammen mit Paddy Maloney von den Chieftains und Liam Rowsome, berühmter Geiger des noch berühmteren Vaters, des Dudelsackspielers Leo Rowsome zur Schule. An der Municipal School of Music in Dublin studierte er später klassische Geige. Die Mischung aus klassischer und Folk-Technik macht das Spiel Sheahans einzigartig. John ist auch ein begnadeter Komponist, “The Marino Waltz” ist eines seiner bekanntesten Stücke.
Nach dem Tod von Barney McKenna gab John Sheahan seinen Abschied von den Dubliners zum Ende des Jahres 2012 bekannt.

Die restlichen Mitglieder der Band, Sean Cannon, Eamon Campbell, Patsy Watchorn und Gerry O’Connor machen seitdem als „The Dublin Legends“ weiter und gehen auch auf Tour. Bei allem Respekt vor den Leistungen der vier -  insbesondere O’Connor würde ich nach dem Tod Barneys für den besten lebenden Banjoplayer halten - finde ich den Namen etwas vermessen, letztendlich sind sie übriggeblieben, nachdem alle Legenden verstorben oder die Gruppe verlassen haben.

Alle Fotos entstanden im Januar 2012 anlässlich des Jubiläumskonzerts der Dubliners zu ihrem 50jährigen Jubiläum in der Christchurch Cathedral Dublin (© Herbert Leutner):

The Dubliners, Christchurch Cathedral Dublin 2012Barney McKenna und John Sheahan, Dubliners, Christchurch Cathedral 2012Barney McKenna und John Sheahan, Dubliners, Christchurch Cathedral 2012
Sean Cannon, Dubliners, Christchurch Cathedral 2012Sean Cannon, Dubliners, Christchurch Cathedral 2012John Sheahan, Dubliners, Christchurch Cathedral 2012Barney McKenna, Dubliners, Christchurch Cathedral 2012
Eamon Campbell, Dubliners, Christchurch Cathedral 2012Patsy Watchorn, Dubliners, Christchurch Cathedral 2012

Alle Mitglieder der Band (nach Wikipedia):

  • Ronnie Drew (1934–2008), Gesang, Gitarre
  • Luke Kelly (1940–1984), Gesang, Banjo
  • Barney McKenna (1939–2012), Banjo, Gesang, Akkordeon, Mandoline
  • Ciarán Bourke (1935–1988), Gesang, Gitarre, Tin Whistle
  • John Sheahan (* 1939), Fiddle, Tin Whistle, Mandoline
  • Bobby Lynch (1935–1982), Gesang, Gitarre
  • Jim McCann (* 1944), Gesang, Gitarre
  • Seán Cannon (* 1940) ,Gesang, Gitarre
  • Eamonn Campbell (* 1946), Gitarre
  • Paddy Reilly (* 1939), Gesang, Gitarre
  • Patsy Watchorn (* 1944), Gesang, Banjo, Bodhran
  • Gerry O’Connor, Banjo

Die Diskografie der Band würde hier den Rahmen sprengen (es gibt alleine ca 40 Compilations), Sie finden Sie bei Wikipedia.

Wenn Sie noch keine Alben der Dubliners besitzen oder Ihre Sammlung erweitern wollen lege ich Ihnen die folgenden besonders ans Herz:

irische Musik gehört zu meinen großen Leidenschaften (wie bei vielen anderen Irlandfans auch), deshalb erwartet Sie hier in Kürze  weitere Informationen zu irischen Bands und Musikern, Festivals, Musikstilen und jede Menge mehr. Schauen Sie bald wieder rein, es lohnt sich.

Musiker beim Temple Bar Tradfest

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